Nach der Bestimmung des PSA Wertes und der Untersuchung
der Prostata und des dadurch entstandenen Verdachtes auf eine bösartige
Erkrankung, dieser muss dieser Verdacht mittels einer ultraschall -
gezielten Prostatabiopsie verifiziert werden. Falls ein Prostatakarzinom
(„Prostatakrebs“) festgestellt wurde, stehen den betroffenen Männern eine
Reihe an verschiedenen Behandlungsmethoden zu Verfügung. Bei jedem einzelnen
Patienten mit einem nachgewiesenen Prostatakarzinom, wird aufgrund des
vorliegenden Tumorstadiums, des PSA-Wertes und des Tastbefundes, usw. eine
individuelle Entscheidung über die besten Therapieoptionen gewählt und mit
dem Patienten besprochen.

Im Fall eines lokalbegrenzten Prostatakarzinoms ist die
häufigste Therapie der Wahl eine offene radikale Entfernung der Prostata und
der regionalen Lymphknoten. Diese Therapie stellt jedoch für die Patienten
eine Belastung dar, und nicht für alle Männer ist diese Therapie geeignet.
Zwar kann die radikale Prostataentfernung in bis zu 80 % der Fälle zu einer
langfristigen Heilung des Prostatakrebses führen, sie ist jedoch mit einem
gewissen Blutverlust einem in ca. 60%igen möglichem Potenzverlust und einem
5%igen Harnverlustsyndrom verbunden. Auch ist mit einem längeren stationären
Aufenthalt, sowie einer Rekonvaleszenzphase zu rechnen. Zu weiteren lokalen
Behandlungsmethoden gehören eine externe Bestrahlung oder die Implantation
von radioaktiven Zylindern in die Prostata (Brachytherapie oder Seeds-
Implantation). Beide Methoden können als Alternative zur radikalen
Prostataentfernung betrachtet werden. Langzeitige Nachbeobachtungszahlen
weisen aber auf eine etwas schlechtere Heilungsrate hin und sind außerdem
deutlich kostenintensiver. Die externe Bestrahlung dauert ca. 7 Wochen (35
Therapietage / 5x pro Woche).

Als weniger invasive Prostatakrebsbehandlung wird die
Methode des hoch-energetischen, fokussierten Ultraschalls (HIFU) seit 1996
angewandt. Diese Methode soll das Prostatakarzinom an seiner
Entstehungsstelle direkt beseitigen oder zumindest verkleinern und somit
unter Kontrolle halten. Blutungen oder starke Harninkontinenz wurden mit
dieser Methode bei den bisher über 12.500 weltweit durchgeführten
Behandlungen selten beobachtet (< 1%). Ein Potenzverlust kann bei dieser
Methode, wenn beide Prostatalappen komplett behandelt werden, ebenso wie bei
der Radikaloperation entstehen, ist aber etwas unwahrscheinlicher (ca. 50%).
Ein Vorteil der HIFU Methode ist, dass diese in einer kaum belastenden
Regionalanästhesie Teilnarkose durchgeführt wird und unblutig ist. Die
Behandlungsdauer hängt von der Prostatagröße ab und liegt zwischen 2 und 3
Stunden. Der Krankenhausaufenthalt nach dem Eingriff dauert ca. 5 Tage.
Schmerzen im Bereich des kleinen Beckens nach dem Eingriff sind gering.
Durch die bei der Behandlung entstehende Hitzeeinwirkung, kommt es nach dem
Eingriff zum Anschwellen der Prostata und so zu Problem beim Urinieren. Aus
diesem Grund wird vorbeugend eine Abhobelung (TUR-P: transurethrale
Prostataresektion) und Einlegen eines Blasen-Bauchdeckenkatheters für einige
Tage durchgeführt. Die Schwere und das Risiko des Eingriffs ist deutlich
geringer als bei einer Schnittoperation.
Schwerwiegende Komplikationen unmittelbar während oder
nach der Behandlung mit HIFU sind selten. Die Bildung einer „Fistel“, das
heißt einer Verbindung zwischen Darm und Harnröhre ist insgesamt selten
(1%). Bei lokal nicht voroperierten/bestrahlten Patienten trat diese bisher
nicht auf.
Eine individuelle langzeitige Erfolgsgarantie kann nicht
gegeben werden, es liegen jedoch mittlerweile medizinische Erfahrungen
anhand von statistischen Auswertungen über einen Zeitraum von mehr als 5½
Jahre an verschiedenen Krankenhäusern in gesamt Europa vor. Es wurden bei
Biopsiekontrollen bis zu 93,4% tumorfreier Prostatabiopsien nachgewiesen.
Bei einer durchschnittlichen Nachbeobachtungszeit von 22,2 Monaten, lag der
zuletzt gemessene PSA-Wert bei 73,7% der Patienten unter 0,4 ng/ml, was auf
eine gute Heilungschance hinweist. Die Heilungsrate liegt somit - wie auch
bei allen anderen Therapien - bei etwa bei 75-80% (Tumorstadium abhängig).
Sollte während der Nachsorge ein Verdacht auf das
Wiederauftreten des Prostatakrebses kommen, werden durch den Einsatz von
hoch energetisch fokussiertem Ultraschall - im Gegensatz zu anderen
Therapien - keine weiteren Behandlungsoptionen ausgeschlossen: Die
Behandlung kann zumindest einmal wiederholt werden. Zusätzlich kommen die
Bestrahlung der Prostata, die Hormontherapie, sowie in Ausnahmefällen die
Schnittoperation in Frage, auf die oben schon hingewiesen wurde. Bei wenigen
Patienten musste erwartungsgemäß wegen Fortschreiten des Prostata-Krebses
eine Zusatzbehandlung durch Hormonentzug eingeleitet werden.
Autor: Dr. Igor Stancik

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